Wer sind wir und woher kommen wir?
Schlaraffia ist ein weltweiter, deutschsprachiger Männerbund, dessen Mitglieder die Freude an Freundschaft, Kunst und Humor verbindet.
Entstanden ist Schlaraffia im Jahr 1859 in Prag. Seitdem hat sich daraus eine Gemeinschaft entwickelt, die heute in zahlreichen Städten und Ländern zu Hause ist.
Freundschaft
Gemeinschaft, Begegnung und das Vergnügen, einige Stunden miteinander zu verbringen.
Kunst
Musik, Gedichte, Geschichten, Vorträge und kreative Beiträge gehören selbstverständlich dazu.
Humor
Wir nehmen unser Spiel durchaus ernst – uns selbst allerdings möglichst nicht.
Ein paar Stunden außerhalb des Alltags
Was passiert bei einer Sippung?
Bei unseren Zusammenkünften – den sogenannten Sippungen – lassen wir den Alltag für einige Stunden vor der Tür.
Aus dem normalen Vereinslokal wird eine Burg, aus Bautzen wird Budissa, aus Mitgliedern werden Knappen, Junker und Ritter – und über allem wacht unser Symbol, der Uhu.
Politik, Religion und geschäftliche Interessen bleiben außen vor. Stattdessen geht es um Wortwitz, Musik, kleine Vorträge, Gedichte, Geschichten und allerlei kreative Beiträge, die bei uns Fechsungen genannt werden.
Wer zum ersten Mal dabei ist, versteht vielleicht nicht sofort jedes Wort. Das macht nichts. Ein wenig schlaraffische Verwirrung gehört schließlich dazu.
Mehr als 125 Jahre Budissa
Wie kam der Uhu nach Bautzen?
Die Geschichte unserer Budissa reicht zurück bis ins 19. Jahrhundert. Was folgte, waren Blütezeiten, Verbote, heimliche Zusammenkünfte, politische Umbrüche und immer wieder die gleiche Konstante: schlaraffische Freundschaft.
Ein Häuflein wackerer Recken
Am 16. Dezember 1897 berichteten die „Schlaraffia Zeytungen“, dass sich im damals noch ganz profanen Bautzen ein „Häuflein wackerer Recken“ zusammengefunden habe, um die Sache Uhus zu pflegen. 17 Männer hatten Gefallen an der schlaraffischen Idee gefunden.
Unterstützung erhielten sie von den benachbarten Schlaraffenreychen Gorlicia und Dresdensia.
Die Colonie Budissa
Am 7. April 1898 wurde die Gründung der Colonie Budissa bewilligt.
Ein eigenständiges Schlaraffenreych
Am 24. März 1900 erfolgte die feierliche Anerkennung als eigenständiges Schlaraffenreych. Der Uhu hatte damit endgültig seinen Horst in Bautzen gefunden.
Eine außergewöhnliche Heimat
Ab 1903 fand die Budissa eine ganz besondere Heimat: den alten Turm der Röhrscheidtbastei. Mit seiner außergewöhnlichen Innenausstattung wurde er zur schlaraffischen Ortenburg und zum Mittelpunkt des Vereinslebens.
Noch heute erinnert die goldene Wetterfahne mit dem Uhu auf der Turmspitze an diese Zeit.
Blütezeit der Budissa
Nach dem Ersten Weltkrieg erlebte die Budissa wieder eine lebendige Zeit. 1923 wurde das 25. Stiftungsfest gefeiert und kurz darauf entstand mit der Zittana sogar ein Tochterreych.
Blütezeit und dunkle Jahre
Mit der nationalsozialistischen Herrschaft geriet auch Schlaraffia zunehmend unter Druck. Die schlaraffischen Ideale und das eigenständige Vereinsleben ließen sich nicht ohne Weiteres mit den Vorstellungen der neuen Machthaber vereinbaren.
Am 15. Februar 1937 fand die vorerst letzte Sippung im alten Turm statt.
Der Uhu blieb
Das öffentliche Vereinsleben war verschwunden – die Gemeinschaft jedoch nicht. Einige Schlaraffen trafen sich weiterhin privat in ihren Wohnungen und Häusern, den sogenannten Heimburgen.
Ein altes „Schmierbuch“ berichtet sogar von einer Silvestersippung zum Jahreswechsel 1944/1945. Ab Januar 1947 fanden wieder regelmäßig Zusammenkünfte statt, wenn auch weiterhin im kleinen Kreis.
Schlaraffia hinter verschlossenen Türen
Auch in der DDR konnte die Budissa nicht wieder als reguläres Schlaraffenreych auftreten. Doch einige wenige Mitglieder weigerten sich beharrlich, den Uhu endgültig davonfliegen zu lassen.
Besonders Ritter Ruck-Zuck hielt die Gemeinschaft über viele Jahre am Leben. Freunde wurden zu privaten Sippungen eingeladen, später kamen sogar Besucher von jenseits der innerdeutschen Grenze hinzu.
Neue Knappen konnten gewonnen und selbst das 75. Stiftungsfest gefeiert werden.
Freundschaft über Grenzen hinweg
Nach dem Tod von Ritter Ruck-Zuck nahm das befreundete Castrum Plaviense aus Plauen die verbliebenen Bautzener Schlaraffen unter seine Obhut.
Ein besonderer Höhepunkt war die Feier zum 90-jährigen Bestehen im Jahr 1987, zu der sich 28 Freunde aus Ost und West zusammenfanden.
Nach über 50 Jahren wieder frei
Mit der politischen Wende in der DDR änderte sich schließlich auch für die Budissa alles. Nach über 50 Jahren war es wieder möglich, sich frei und öffentlich zu treffen.
Nun begann der mühsame Wiederaufbau. Neue Freunde wurden gewonnen, Knappen aufgenommen, Junker erhoben und schließlich wieder Ritter geschlagen.
Zum 100. Stiftungsfest war die Budissa bereits wieder auf zehn Mitglieder angewachsen. Gemeinsam mit 154 Freunden und deren Begleitungen wurde das Jubiläum gebührend gefeiert.
Die Budissa kehrt zurück
Am 30. Oktober 2003 wurde die Budissa feierlich wieder in den Bund Allschlaraffia aufgenommen.
Damit war vollbracht, woran Generationen von Bautzener Schlaraffen festgehalten hatten: Die Budissa war wieder ein vollständig anerkanntes Schlaraffenreych.
Und sie ist es bis heute.
Und heute?
Der Uhu wacht noch immer über Budissa
Noch immer treffen wir uns in Bautzen unter dem Zeichen des Uhus.
Noch immer werden aus ganz normalen Männern für einige Stunden Knappen, Junker und Ritter. Noch immer wird gereimt, musiziert, erzählt, gelacht und mit viel Fantasie der Alltag vor der Burgtür zurückgelassen.
Und noch immer gilt das, was die Budissa durch mehr als ein Jahrhundert, zwei Weltkriege, Verbote, Teilung und politische Umbrüche getragen hat:
Freundschaft · Kunst · Humor
Vielleicht verstehen Sie jetzt ein wenig besser, was Schlaraffia und die Budissa sind. Ganz verstehen kann man es allerdings erst, wenn man es einmal selbst erlebt hat.
Schlaraffia erlebt man am besten selbst.
Sie sind neugierig geworden? Dann schauen Sie doch einmal bei uns vorbei. Der Uhu jedenfalls wacht noch immer über Budissa.